30. November 2013

Mein Studium - Wirtschaftsingeneurwesen


Heute möchte ich euch über mein Studium berichten, da es bereits schon mehrmals angefragt wurde, ob ich nicht Auskunft darüber geben könne.
Ich habe lange überlegt, wie ich es am besten strukturiere, damit es für euch leichter und interessanter zu lesen ist. Hoffentlich ist mir das gelungen! Falls doch noch etwas fehlen sollte, schreibt es mir in die Kommentare und ich werde es ergänzen.
Bedenkt bitte, dass ich erst im 3.Semester bin und nur meine Erfahrungen bis dato teilen kann, außerdem kann ich nur von meiner Uni berichten. Wie es an anderen Unis oder Fachhochschulen aussieht, weiß ich nicht.

Was studiere ich?
Ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen mit Vertiefungsrichtung Verkehrswesen im 3. Bachelor Fachsemester an der Technischen Universität in Berlin.

Allgemeines über das Studienfach
An den meisten Unis gibt es Wirtschaftsingenieurwesen vorwiegend mit der Vertiefungsrichtung Maschinenbau. Das ist wohl das was man am ehesten mit dem Fach assoziiert und das was auch gängig und weit verbreitet ist.
Nichtsdestotrotz gibt es seit geraumer Zeit zB an meiner Uni auch noch zusätzliche Vertiefungsrichtungen zwischen denen man sich entscheiden kann. Also neben Maschinenbau bietet die Uni noch Verkehrswesen, Elektrotechnik, Informations- und Kommunikationssysteme, Chemie und Verfahrenstechnik an.
Keine Angst, man muss sich nicht gleich schon am Anfang festlegen. Man kann (so wie ich) erstmal die Fächer belegen, die sowieso jeder WiIng (das ist die Abkürzung :D) machen muss, egal welche Vertiefung man letztendlich wählt.
Der NC lag bei mir bei 1,6, aber das ist ja von Uni zu Uni unterschiedlich!
Spätestens im 3. Semester sollte man sich aber schon so langsam entschieden haben.

Die Atmosphäre
Ich war überrascht, dachte ich doch, dass ich nur von Männern und Nerds umringt sein werde (Technische Universitäten genießen da einen gewissen Nerd Ruf).
Die Verteilung ist aber ziemlich ausgewogen (könnte um einiges schlimmer sein!) : 40% Mädchen 60% Jungs.
Und wir sind darüber hinaus so einer der coolen Studiengänge an der Uni, und das sage ich nicht nur, weil ich selber Teil davon bin, sondern weil wir einfach so viele unterschiedliche Typen haben und die alle (na ok, der Großteil) total cool drauf sind und nicht nur klischeehaft vor dem Computer hocken und nur lernen und das Leben nicht genießen.
Das ist einfach einer der wichtigsten Kriterien, finde ich, um sich einfach allgemein wohl zu fühlen und Motivation aufzubauen sich da auch reinzuhängen.
Außerdem haben wir noch ziemlich viele studentische Arbeitsgruppen (ESTIEM, AG WiIng, Fachschaftsteam, VWI...), in denen man sich engagieren kann um noch mehr Leute kennen zu lernen und darüber hinaus noch mit WiIngs in ganz Europa in Kontakt zu kommen.

Der Studiengang und seine Inhalte
Wenn man den Begriff Wirtschaftsingenieurwesen auseinander nimmt, dann wird schnell klar : Ok, ich lerne was über Wirtschaft und was über Ingeneurswesen.
Die Anteile betragen (laut Studienführer) von beiden Themengebieten jeweils 70% - theoretisch.
Glücklicherweise habe ich einen Maschinenbauer Freund und wir haben mal ein bisschen die Studienpläne verglichen. Naja 70% Maschinenbau sieht anders aus. Klar, wir WiIngs haben weniger Module, als die Maschinenbauer, aber das sind auch keine 70% eines Maschinenbau Studiums.
Ihr seht - wir kratzen förmlich nur an der Oberfläche.
Vom Umfang her hat mich das bis jetzt aber trotzdem immer sehr ausgelastet. Es ist halt viel und auch viel unterschiedliches.
Während im reinen Maschinenbau Studium sehr viel vertieft und aufeinander aufgebaut wird, lernen wir WiIngs Wirtschaft und Technik immer parallel und immer unterschiedliche Sachen.
Kein Modul gleicht dem anderen! Das kann man positiv und negativ sehen. Ich sehe es durchweg positiv : Man langweilt sich nicht so sehr und es kommt immer Abwechslung ins Studium verbunden mit neuen Herausforderungen.
Am besten man informiert sich vorher in der Modulliste über die Inhalte und im Modulplan über den (vorgeschlagenen, nicht ganz so sinnvollen) Ablauf!
Es sei nebenbei auch noch gesagt, dass ihr sehr viel Theorie lernt und das Studium eher weniger praktisch aufgebaut ist.
Ich finde es nicht weiter schlimm. Klar, es ist trockener, man hat keinen wirklichen Bezug zur Realität, aber das macht nun mal das Studium an einer Uni allgemein aus.
Wer er praxisnaher haben möchte, dem empfehle ich unter Umständen sich einfach mal an einer Fachhochschule zu informieren ;)

Der Aufwand
Wie bereits erwähnt, ist der Aufwand sehr groß. Ich bin aber dennoch davon überzeugt, dass jeder zumindest gute Noten schreiben kann, wenn er sich wirklich reinhängt und lernt (zur Klausurenphase versteht sich). Es ist immer gut eine Lerngruppe zu haben und früh anzufangen.
Je Mathe- und Physik-affiner, desto besser und leichter wird euch das Studium gefallen. Wenn euch Wirtschaft interessiert und im Notfall Auswendiglernen nichts ausmacht, dann wird das für euch sehr machbar sein.
Ich selber hatte Mathe LK in der Schule gehabt, Physik jedoch gleich nach der 12. abgewählt und ich kenne viele die kein Mathe LK hatten und es trotzdem schaffen!
Die meisten Fächer bieten eine Altklausuren Sammlung anhand derer man üben kann. Das erwies sich für mich bis jetzt als immer sehr effektiv und versprach auch immer gute Noten.
Der Modulverlaufsplan gibt vor mindestens 5 Module pro Semester zu schaffen und damit 30 LP's zu sammeln.
Aber keine Angst, falls ihr die 30 LPs nicht schafft (sei es weil ihr durchgefallen seid oder weil es euch zu viel wird oder ihr die Klausur aufs nächste Semester schiebt). Ich bezweifle, dass die meisten es nach 6 Semestern zum Bachelor schaffen. Ich hatte auch im ersten Semester nur 4 Module gemacht.
Letztendlich geht es um eine ausgewogene Arbeitsbelastung. Manche Fächer fallen euch leicht, andere eben nicht, dann nimmt man sich halt mehr Zeit dafür! Das ist ganz normal. Planung ist das A und O!
Freizeit werdet ihr jedoch genug haben. Wenn man ehrlich ist, braucht man nicht jede Vorlesung besuchen und das spart euch dann schonmal 2 Stunden in der Woche.

Was kann man eigentlich damit werden und wie sind die Jobaussichten?
So wie ich es mitbekommen habe, kann man nach seinem Studium sich in vielen großen Firmen und Unternehmen bewerben, in vorwiegend technischen Firmen!
Man bildet dann sozusagen die Schnittstelle zwischen der Wirtschaft und der Technik, kann zum Beispiel im Vertrieb arbeiten und verkauft die Produkte an Kunden und kann zB gleichzeitig fachmännische Auskunft geben über die Funktionsweise der Maschine (also sehr vage ausgedrückt).
Dadurch dass wir die Schnittstelle bilden, sind wir sehr gefragt und verdienen dementsprechend auch nicht schlecht ;)
Viele Studenten gründen aber auch schon während oder nach ihrem Studium ein eigenes Start-Up und machen sich unabhängig. Klar, du hast das Wissen aus der Wirtschaft und das technische Know-How!
Ich kann mich noch an den einen entscheidenden Satz aus dem 1. Semester erinnern von meinem Professor, der die Willkommens-Rede gehalten hat : "Ich garantiere, dass jeder von euch nach dem Studium oder während des Studiums einen Job finden wird. Wenn nicht, was sehr unwahrscheinlich ist, dann könnt ihr mich gerne nochmal ansprechen. Bis jetzt hat dies nur ein Student gemacht und dieser arbeitet jetzt für mich."

Mein persönliches Fazit bis jetzt
Mir macht mein Studium sehr viel Spaß und ich bin auch richtig stolz es bis jetzt durchgezogen zu haben und mich WiIng nennen zu können. Neben allgemeinen Respekt vor dem Studiengang, finde ich es auch sehr lustig, wie wenig Leute es gibt, die mir so etwas zutrauen. Die meisten denken, ich mache etwas kreatives oder so.
Ich habe mich zudem bewusst gegen BWL entschieden, weil mir die Jobaussichten sehr wichtig sind (es gibt schon viel zu viele BWLer!) und ich glaube zu viel Wirtschaft fände ich auch zu langweilig.
Auch ein reines Ingenieurfach wäre für mich zu anstrengend (komplett anderes Kaliber!) und zu eintönig.
Ich finde es immer wieder spannend, wie sehr Wirtschaft und Technik miteinander verflochten sind. Man lernt einfach eine Situation aus mehreren Perspektiven zu betrachten und das macht das Studium für mich an fast jedem Tag interessant.

5 Birds:

  1. Sehr interessanter Post! Ich studiere Wirtschaftsinformatik, da gibt es ja sicherlich so einige Parallelen! :)

    Liebe Grüße,
    Eleonora

    * eleonoras blog *

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    1. wow hut ab wirtschaftsinformatik !! :D das würde ich mich nicht trauen bzw hatte es zu beginn kurz angefangen aber so rückwärts denken kann ich irgendwie nicht :)

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  2. danke danke danke für diesen Post!!! ♥
    bei mir ist es ähnlich .. also ich studiere noch nicht, da ich mich noch nicht für einen Studiengang 100% entschieden hab (dein Post hilft mir aber auf jeden Fall! :) )
    ein reines Wirtschafts- oder Ingenieursstudium wär mir zu eintönig, deswegen find ich Wiing so interessant. aber habe auch Bedenken, ob es mir zu anspruchsvoll ist (in meinem Abitur war ich jetzt nicht so mega gut). und viele aus meinem Umkreis trauen mir diesen Studiengang auch nicht zu , was mir nur größere Bedenken gibt :'D

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  3. ich stecke gerade in der zwickmühle, da mir auch geld und jobaussichten sehr wichtig sind aber es kaum berufe ohne mathematisch/physikalischen schwerpunkt gibt, in denen man gut geld macht. ich hab zwar ein 1,8 abi was ok ist, aber finde mal was ohne mathe und physik schwerpunkt wo man später nicht krass wenig verdient :/

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  4. Great post :)
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    I'm a beginning fashion blogger check out my blog www.shawsy.blogspot.com

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